Wenn Tiere "anders ticken"


Wenn Tiere „anders ticken“

Demenz (kognitive Dysfunktion) und autismusähnliche Verhaltensweisen bei Hund, Katze und Pferd

Immer häufiger berichten Tierhalter, dass ihr Hund plötzlich vergesslich wirkt, ihre Katze nachts orientierungslos miaut oder ihr Pferd ungewöhnliche stereotype Verhaltensweisen zeigt. Manche Tiere wirken zurückgezogen, reagieren überempfindlich auf Reize oder zeigen repetitive Bewegungen.

Doch was steckt dahinter? Handelt es sich um Alter, Krankheit – oder möglicherweise um neurodivergente Verhaltensmuster, die wir beim Menschen mit Demenz oder Autismus vergleichen würden?

Die moderne Veterinärmedizin beschäftigt sich zunehmend mit diesen Fragen.

 

1. Demenz bei Tieren – das kognitive Dysfunktionssyndrom

In der Tiermedizin spricht man bei demenzähnlichen Veränderungen meist vom kognitiven Dysfunktionssyndrom (CDS). Es ist eine neurodegenerative Erkrankung des alternden Gehirns und gilt als tierisches Gegenstück zur Alzheimer-Erkrankung beim Menschen.

Dabei sterben Nervenzellen ab, und im Gehirn können – ähnlich wie beim Menschen – Proteinablagerungen (Plaques) entstehen.

Wie häufig kommt Demenz bei Tieren vor?

Studien zeigen eine deutliche Altersabhängigkeit:

14–35 % der älteren Hunde zeigen Anzeichen kognitiver Dysfunktion.

Über 20 % der Hunde ab 9 Jahren sind betroffen.

Bei Hunden über 15 Jahren sogar bis zu 68 %.

Bei Katzen über 11 Jahren zeigen etwa 28 % mindestens ein Symptom.

Die steigende Lebenserwartung unserer Haustiere ist ein wichtiger Grund dafür, dass diese Erkrankung heute häufiger diagnostiziert wird.

 

2. Typische Symptome einer kognitiven Dysfunktion

Veterinärmediziner nutzen häufig das Akronym DISHAAL, um typische Symptome zu beschreiben.

Häufige Anzeichen

  • Desorientierung
  • Tier findet Türen oder bekannte Wege nicht mehr
  • bleibt „wie eingefroren“ stehen
  • Interaktionsverlust
  • weniger Interesse an Menschen oder Artgenossen
  • Rückzug
  • Schlaf-Wach-Störungen
  • nachts unruhig
  • tagsüber übermäßig schlafend
  • Hausunreinheit
  • Verlust der Stubenreinheit
  • Aktivitätsveränderung
  • Unruhe oder Apathie
  • Angst und Stress
  • erhöhte Schreckhaftigkeit
  • plötzliche Ängstlichkeit

Diese Symptome werden von Haltern häufig zunächst als „normales Altern“ interpretiert und deshalb spät erkannt.

 

3. Autismus bei Tieren – gibt es das wirklich?

Hier wird es wissenschaftlich komplexer.

Die Veterinärmedizin verwendet den Begriff Autismus bei Tieren nur vorsichtig. Dennoch wurden autismusähnliche Verhaltensmuster beschrieben.

Hinweise aus Studien

Ein bekanntes Beispiel ist eine Studie zu Bullterriern, bei denen extremes Schwanzjagen untersucht wurde. Die Forscher fanden Zusammenhänge mit:

  • repetitivem Verhalten
  • tranceähnlichen Zuständen
  • phobischen Reaktionen

Diese Muster ähneln bestimmten Autismus-Symptomen beim Menschen.

Auch genetische Veränderungen – etwa im SHANK3-Gen – werden mit autismusähnlichen Wahrnehmungsmustern bei Hunden in Verbindung gebracht. Hunde mit solchen Veränderungen reagieren beispielsweise weniger auf Gesichter oder sozialen Blickkontakt.

 

4. Autismusähnliche Erscheinungsformen bei Tieren

Typische Hinweise können sein:

  • Soziale Besonderheiten
  • Vermeidung von Blickkontakt
  • geringes Interesse an Artgenossen oder Menschen
  • Repetitive Verhaltensweisen
  • Schwanzjagen
  • Kreisbewegungen
  • stereotype Bewegungen
  • Sensorische Besonderheiten
  • starke Reaktion auf Geräusche oder Berührung
  • ungewöhnliche Wahrnehmung von Reizen
  • Schwierigkeiten mit Veränderungen
  • Stress bei Routinewechsel
  • Schwierigkeiten mit neuen Situationen

Wichtig:
Diese Symptome können auch durch Angststörungen, Schmerzen oder neurologische Erkrankungen entstehen und müssen immer tierärztlich abgeklärt werden.

 

5. Pferde – ein Sonderfall

Für Pferde gibt es bisher kaum Forschung zu Demenz oder Autismus im engeren Sinne.

Dennoch werden neurobiologische Stressreaktionen und stereotype Verhaltensweisen intensiv untersucht, z. B.:

  • Weben
  • Koppen
  • stereotype Bewegungen

Solche Verhaltensweisen können Hinweise auf chronischen Stress oder sensorische Überforderung sein – und zeigen, dass auch Pferde komplexe neurologische Reaktionen entwickeln können.

Unterschiede zwischen kognitiver Dysfunktion und autismusähnlichen Verhaltensmustern bei Tieren

Merkmal Kognitive Dysfunktion (Demenz) Autismusähnliche Verhaltensmuster
Typisches Alter Vor allem ältere Tiere (Senioren) Oft schon im jungen Alter sichtbar
Ursache Neurodegenerative Veränderungen im Gehirn, ähnlich Alzheimer beim Menschen Veränderungen in neuronalen Verschaltungen und Reizverarbeitung
Häufige Symptome Desorientierung, veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, Vergessen gelernter Routinen Rückzug, repetitive Bewegungen, eingeschränkte soziale Interaktion
Verhalten gegenüber Menschen Wirkt manchmal verwirrt oder erkennt vertraute Personen nicht sofort Teilweise reduziertes Interesse an sozialem Kontakt
Typische Beispiele Seniorenhund läuft nachts rastlos umher oder bleibt in Ecken stehen Katze mit wiederholtem Schwanzjagen oder Hund mit stark fixierten Bewegungsritualen
Therapeutische Ansätze kognitive Aktivierung, angepasste Ernährung, Umweltstrukturierung Verhaltenstherapie, Reizreduktion, strukturierte Kommunikation

6. Blick aus der Traditionellen Chinesischen Medizin

Auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) betrachtet Verhalten und Bewusstsein von Tieren aus einer ganzheitlichen Perspektive.

In der TCM ist der Shen, der Geist oder das Bewusstsein, im Funktionskreis des Herzens verankert. Ist dieser aus dem Gleichgewicht, können Symptome entstehen wie:

  • Rückzug oder Apathie
  • unruhiger Schlaf
  • stereotype Bewegungen
  • verminderter Blickkontakt

Darüber hinaus spielt das Nieren-Jing eine zentrale Rolle für Alterungsprozesse. In der TCM wird angenommen, dass mit zunehmendem Alter die Essenz des Körpers abnimmt – was sich auch auf Gedächtnis und geistige Klarheit auswirken kann.

Stereotype Bewegungen bei Pferden werden häufig mit einer Stagnation des Leber-Qi in Verbindung gebracht, die durch Stress oder eingeschränkte Lebensbedingungen entstehen kann.

6.1 Die Bedeutung der Ting-Punkte

In der Akupunktur gelten die sogenannten Jing-Well- oder Ting-Punkte als besonders aktivierende Punkte. Sie liegen an den äußersten Enden der Meridiane, meist an Zehen, Hufen oder Fingern.

Ihnen wird nach TCM zugeschrieben, dass sie:

  • den Energiefluss im Meridian anregen
  • Bewusstsein und Wahrnehmung stimulieren
  • neurologische Prozesse beeinflussen können

In der modernen Tiertherapie werden diese Punkte manchmal auch mit Stimmgabeln oder anderen vibroakustischen Methoden stimuliert.

Ein Praxisbeispiel aus meiner Pferdearbeit

In meiner Arbeit durfte ich einmal ein Pferd begleiten, das stark in sich gekehrt wirkte. Es reagierte nicht auf Ansprache und spulte Handlungen einfach nur ab. Es nahm somit zwar am Alltag teil, schien jedoch innerlich weit entfernt zu sein, den Menschen nicht zugewandt und zeigte ausgeprägtes Koppen.

Im Rahmen der Behandlung wurden unter anderem die Ting-Punkte mit Stimmgabeln stimuliert. Gleichzeitig entstand beim täglichen Putzen, auf eine besondere Art, eine intensive Form der Kommunikation – über ruhige Stimme, Berührung und Präsenz.

In kurzer Zeit zeigte sich eine bemerkenswerte Veränderung:
Das Pferd wurde deutlich wacher, aufmerksamer und nahm wieder aktiver am Geschehen teil und kommunizierte mit der Außenwelt.

Natürlich lassen sich solche Veränderungen nicht immer eindeutig einer einzelnen Methode zuschreiben. Doch Erfahrungen wie diese zeigen, wie stark Berührung, Beziehung und gezielte Stimulation des Nervensystems auf Tiere wirken können.

Neuere Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft – etwa die Polyvagal-Theorie des Neurowissenschaftlers Stephen Porges – unterstreichen, wie wichtig soziale Sicherheit, Stimme und Berührung für die Regulation des Nervensystems von Säugetieren sind.

 

7. Was Tiere mit Menschen gemeinsam haben

Neurowissenschaftlich betrachtet teilen Säugetiere viele grundlegende Gehirnstrukturen:

  • limbisches System
  • emotionale Verarbeitung
  • Lern- und Gedächtnisprozesse

Deshalb überrascht es nicht, dass Alterungsprozesse oder genetische Veränderungen ähnliche Verhaltensmuster erzeugen können.

Der bekannte Autismus-Forscher und Tierwissenschaftler Temple Grandin betont häufig, dass Menschen und Tiere teilweise ähnlich auf Reize reagieren – insbesondere in Bezug auf sensorische Wahrnehmung.

 

8. Warum dieses Wissen wichtig ist

Ein besseres Verständnis von neurobiologischen Veränderungen bei Tieren hilft:

  • Verhaltensprobleme richtig einzuordnen
  • Tiere im Alter besser zu begleiten
  • Stress und Überforderung zu vermeiden
  • Therapie- und Trainingsmethoden anzupassen
  • Viele Tiere brauchen in solchen Phasen vor allem:
  • Routine und Vorhersehbarkeit
  • angepasste Umweltreize
  • sanfte kognitive Beschäftigung

Glossar

Kognitive Dysfunktion (CDS)
Neurodegenerative Erkrankung bei alternden Tieren mit Gedächtnis- und Verhaltensstörungen.

Neurodegeneration
Fortschreitender Verlust von Nervenzellen im Gehirn.

Plaques
Proteinablagerungen im Gehirn, die auch bei Alzheimer auftreten.

DISHAAL-Schema
Veterinärmedizinisches Bewertungssystem für Demenzsymptome bei Tieren.

Repetitives Verhalten
Wiederholte Bewegungen oder Handlungen ohne funktionalen Zweck.

Sensorische Sensitivität
Überempfindliche Reaktion auf Geräusche, Licht, Berührung oder Gerüche.

Neurodivergenz
Begriff aus der Neurowissenschaft für neurologische Variationen in Wahrnehmung und Verhalten.

 

Quellen (Auswahl)

Salvin et al. (2010). Canine cognitive dysfunction: prevalence study. Veterinary Journal.

Bundesverband für Tiergesundheit: Demenz bei Hunden.

Dietzel (2025). Demenz bei Hund und Katze – kognitive Dysfunktion.

Schneider & Erhard (LMU München). Kognitives Dysfunktionssyndrom beim Hund.

Moon-Fanelli et al. Studie zu Schwanzjagen bei Bullterriern.

 

Tierphysio in Balance, Sabine Braun März 2026

 

Die RAC - Pulsdignostik

Der stille Dialog: Wie der RAC uns hilft, unsere Tierpatienten wirklich zu verstehenAls ich das erste Mal in einem Workshop den Reflex Auriculo-Cardiale (RAC) – diesen feinen, kaum spürbaren Puls-Stopp – am Handgelenk eines Menschen tastete, war ich sofort fasziniert. Es fühlte sich an, als würde man plötzlich ein geheimes Signal des Körpers empfangen. Aber wie lässt sich dieser filigrane „Puls-Dialog“ auf unsere tierischen Patienten übertragen, die uns ihre Beschwerden nicht verbal schildern können? Für dich als Tierphysiotherapeut oder Heilpraktiker ist die Notwendigkeit, hinter die Fassade zu blicken, elementar.

Der RAC bietet hier einen tiefen Einblick in das vegetative Nervensystem. Er ist wie ein Regelkreis-Detektor, der uns präzise zeigt, wo die größte Disharmonie im System deines Tierpatienten liegt – ob es nun ein alter Narbenstörherd, eine Futterunverträglichkeit oder ein blockierter Akupunkturpunkt ist. Lass uns gemeinsam diesen spannenden Weg von der Entdeckung in Frankreich bis zur modernen Anwendung in der Tiermedizin erkunden.

Die Geburtsstunde des RAC: Ein französischer Reflex erobert die Alternativmedizin

Was der Reflex Auriculo-Cardiale (RAC) eigentlich ist

Der RAC, oft auch als Vasculäres Autonomes Signal (VAS) oder Nogier-Reflex bezeichnet, ist eine reflektorische, kurzzeitige Veränderung der Pulsqualität und -amplitude an der Arteria radialis (Speichenschlagader) beim Menschen. Ausgelöst wird diese Reaktion durch einen spezifischen Reiz (z. B. Tasten, Laserlicht oder die Annäherung einer Testsubstanz) auf die Hautoberfläche.

Die Veränderung ist nicht etwa ein vollständiger Pulsstopp, sondern eine feine Modifikation der Pulswelle, die nur durch ein sehr geübtes und sensibilisiertes Tasten wahrnehmbar ist. Er gilt als Indikator für eine vegetative Reaktion des Körpers auf den gesetzten Reiz.

Meilensteine der Entwicklung

  • 1950er Jahre: Der französische Arzt Dr. Paul Nogier (Lyon) entwickelt die moderne Ohrakupunktur (Aurikulotherapie), indem er die Abbildung des Körpers (Somatotopie) auf der Ohrmuschel entdeckt.
  • 1960er Jahre: Nogier beobachtet, dass beim Reizen aktiver Ohrpunkte eine Pulsveränderung am Handgelenk auftritt – die Entdeckung des RAC.
  • Weiterentwicklung und Systematisierung: Der deutsche Arzt Dr. Frank Bahr übernimmt eine Schlüsselrolle. Er entwickelt die Methode weiter zur Aurikulomedizin, integriert die Störfelddiagnostik und fördert die systematische Anwendung, insbesondere in Deutschland.

Die RAC-Pulsdiagnostik hat ihre stärkste Verbreitung in der deutschsprachigen und französischen Alternativmedizin gefunden, wo sie als zentrales Diagnosewerkzeug der Aurikulomedizin gelehrt und angewandt wird (Quelle: Fachliteratur Nogier, Bahr).

Einsatzgebiete mit Tier-Fokus

Für dich als Tiertherapeut ist der RAC ein direkter Kanal zur Körperintelligenz des Tieres. Da Worte fehlen, wird das autonome Nervensystem zum wichtigsten Informanten.

Einsatzgebiet Humanmedizin (Beispiel) Tiermedizin (Tiertherapie)
Punkt- und Areal-Lokalisierung Präzise Ortung aktiver Schmerzpunkte am Ohr (z.B. bei Migräne). Punktgenaue Lokalisierung aktiver Akupunkturpunkte am Körper oder Ohr, z.B. bei chronischen Lahmheiten (Hund, Pferd).
Material- & Substanztestung Testung auf Zahnmaterial-Unverträglichkeiten oder optimale homöopathische Mittel. Austestung von Futterunverträglichkeiten, Ergänzungsfuttermitteln oder optimal passenden homöopathischen bzw. phytotherapeutischen Rezepturen.
Störfeld- & Blockadesuche Identifikation therapieresistenter Narbenstörfelder. Auffinden von Belastungen (z.B. Narben nach Kastration/OP, Zahnherde oder Toxinbelastungen), die das Regulationssystem des Tieres blockieren.

Die feinen Unterschiede: RAC versus TCM-PulsdiagnostikDer RAC wird oft mit der Traditionellen Chinesischen Pulsdiagnostik (TCM) verwechselt. Sie unterscheiden sich aber in Philosophie, Durchführung und Zielsetzung wie Tag und Nacht:

Merkmal Reflex Auriculo-Cardiale (RAC) TCM-Pulsdiagnostik
Diagnostik-Prinzip Reflex-Messung: Testet die sofortige vegetative Reaktion auf einen gesetzten Reiz (Mikrostress). Zustands-Messung: Testet die kontinuierliche Qualität des Pulses (z.B. gespannt, tief, schnell) in Ruhe.
Tastort / Fokussierung Arteria radialis (beim Menschen), Arteria femoralis oder caudalis beim Tier. Fokussiert auf eine Pulsveränderung. Tastung an sechs spezifischen Positionen an beiden Handgelenken (Cun, Guan, Chi). Fokussiert auf 12 Organsysteme.
Ziel der Aussage Ist dieser Punkt JETZT aktiv? Ist diese Substanz JETZT regulativ wirksam? Welcher Meridian ist in einem Zustand der Fülle/Leere? Welche Disharmonie liegt zugrunde?

RAC und Kinesiologie: Zwei Seiten einer MedailleSowohl der RAC als auch die Kinesiologie (Muskeltest) sind bioenergetische Testverfahren, die versuchen, das Regulationssystem des Körpers nicht-verbal abzufragen. Beide gehen davon aus, dass positive/neutrale Reize das System stabilisieren, während pathogene/stressende Reize es kurzfristig schwächen oder verändern.

Kurze Bewertung:

  • Der RAC ist oft schneller und direkter, da er das zentrale Steuerorgan des Kreislaufsystems (vegetatives System) abfragt. Er erfordert aber extrem viel Übung und Sensibilität in der Tasterhand.
  • Die Kinesiologie (z.B. in der Form des Armlängentests) ist bei Tieren oft praktikabler durchzuführen, da der Behandler sich selbst als Tensor nutzt. Die Abfrage über die Muskulatur kann jedoch durch Ermüdung des Behandlers oder des Tieres leichter verfälscht werden.

In der Praxis sind beide Methoden exzellente, komplementäre „Feedback-Systeme“.

Häufige Missverständnisse und typische Anfängerfehler

Missverständnisse:

  • Der RAC ist objektiv nachweisbar: Auch wenn es Versuche gab, den RAC technisch (z.B. per Laserdioppler) zu messen, bleibt er primär ein subjektives, taktiles Phänomen, das auf der feinen Wahrnehmung des Therapeuten beruht. Eine breite schulmedizinische Anerkennung fehlt.
  • Der RAC lügt nie: Der Reflex zeigt eine Reaktion an, aber die Interpretation des Reflexes (ist die Reaktion „positiv“ oder „negativ“ im Kontext der Therapie?) bleibt stets die Aufgabe des geschulten Therapeuten.

Typische Anfängerfehler:

  • Zu viel Druck: Zu starkes Tasten maskiert die subtile Änderung der Pulsamplitude. Die Tasterhand muss extrem leicht und entspannt sein.
  • Zu schnelle Reizung: Das vegetative Nervensystem braucht Zeit, sich zu adaptieren. Zu schnelles Testen (Reizung im Sekundentakt) führt zur Erschöpfung oder Gewöhnung (Adaptation) der Reaktion.
  • Fehlende Erdung/Konzentration: Eigene innere Unruhe, Stress oder mangelnde Konzentration des Behandlers können die Wahrnehmung des feinen Reflexes massiv stören.

⚔️ Kontroverse Diskussionen und StudienlageDie Aurikulomedizin und der RAC sind ein klassisches Beispiel für die Kluft zwischen Erfahrungsmedizin und evidenzbasierter Medizin. Die hohe Subjektivität der manuellen Tastung ist der Hauptkritikpunkt der wissenschaftlichen Fachwelt. Kritiker führen an, dass die Ergebnisse leicht durch die Erwartungshaltung (Bias) des Therapeuten beeinflusst werden können. Es fehlt bis heute an einer robusten und reproduzierbaren Beweislage aus verblindeten, großen Studien, die den RAC objektiv als diagnostisches Werkzeug validieren. (Quelle: Überblicksstudien zur Aurikulotherapie/RAC, die auf methodologische Mängel in der RAC-Forschung hinweisen.)

Dein Experte kommentiert: Betrachte den RAC als ein empirisches Werkzeug. Er liefert keine absolute „Wahrheit“, sondern eine Hypothese, die im Gesamtbild deiner Befunderhebung (Palpation, Gangbildanalyse, Anamnese) überprüft und integriert werden muss. Seine Stärke liegt in der Individualisierung des Therapieansatzes und nicht im universellen wissenschaftlichen Beweis.

⚓ Der Anker im Sturm: Integration in multimodale TherapiekonzepteDer RAC ist am wertvollsten, wenn er als „Feinjustierung“ deines Hauptkonzepts eingesetzt wird – er ersetzt keine konventionelle Diagnostik, sondern perfektioniert sie. Er ist der Filter, der dir hilft, aus der Fülle möglicher therapeutischer Optionen die für dieses Tier, zu diesem Zeitpunkt optimale auszuwählen.

Sichere Integration:

  • Nutze den RAC, um deine Verdachtsdiagnosen zu untermauern (z.B. ein Schmerzpunkt an einer bestimmten Stelle, der eine hohe RAC-Resonanz zeigt).
  • Setze ihn zur Therapiekontrolle ein: Ein zuvor aktiver Akupunkturpunkt sollte idealerweise keinen RAC mehr zeigen, nachdem die Nadel gesetzt oder die Störzone entstört wurde.
  • Verwende ihn zur Minimierung von Polypragmasie (zu viele Mittel auf einmal): Teste, welche der möglichen homöopathischen Mittel die stärkste regulierende Reaktion im System des Tieres auslösen.

Kurz & Knapp: Glossar der RAC-Diagnostik

  • Reflex Auriculo-Cardiale (RAC) / VAS: Kurze, reflektorische Veränderung der Pulsamplitude der A. radialis (Mensch) oder A. femoralis/caudalis (Tier) auf einen Reiz.
  • Aurikulotherapie / Aurikulomedizin: Diagnostik und Therapie über Akupunkturpunkte am Ohr, entwickelt von Dr. Paul Nogier und erweitert von Dr. Frank Bahr.
  • Somatotopie: Die Abbildung des gesamten Körpers auf einem begrenzten Areal, wie der Ohrmuschel.
  • Störfeld: Ein lokaler Herd (z.B. Narbe, Zahn), der das gesamte Regulationssystem chronisch reizt und therapieresistent macht.

 

Nutze diesen „feinen Puls“ als einen weiteren Kanal, um deinen tierischen Patienten die bestmögliche, individuell abgestimmte Therapie zu bieten. Es ist ein Werkzeug der tiefen Wahrnehmung, das uns hilft, über die Oberfläche hinaus zu blicken.

Alle Angaben in diesem Artikel beruhen auf der Recherche der Entdeckungsgeschichte und der Anwendung in der komplementären Tiermedizin. Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit und Validität des RAC als eigenständiges Diagnoseverfahren ist in der Schulmedizin nicht belegt (Quelle: Nogier, P. M., Bahr, F., Fachliteratur zur Aurikulomedizin).

Sabine Braun, Tierphysio in Balance, 26.11.2025

 

Jubiläum! 10 Jahre Tierphysio in Balance!

Kaum zu glauben, aber es sind jetzt schon 10 Jahre her, als ich die Prüfung bestand und loslegte. Wir feiern heute das 10 jährige Bestehen meiner Tierphysiotherapiepraxis in Asbach im schönen Westerwald.

Ich freue mich und schaue mit Liebe und Dankbarkeit auf so viele Vierbeiner, Hunde, Katzen, Schaf, Pferde, zurück und auf ihre tollen Besitzer. Danke für das Vertrauen!

Danke für die Liebe und das Vertrauen von (so fing es damals an) Aragon, Artus L., Philipp, Highlight O, Leon, Gretchen K., Gretchen C., Django, Wolfi, Lassim, Alf, Buliwyf, Pocket, Merlin, Abby, Daika, Samira, Josie, Arthus, Gina, Jack, Kim, Anton, Baccara, Gringo, Tobi, Lukas, Sally, Berry, Herr Boldsen, Whisper, Mr. Higgins, Lenchen, Atlas, Bobby, Zolena, Timo, Fortezza, Norena, Rufus, Kvix, Franko, Troll, Hexe, Billy, Gitano, Tiro, Nikki, Sinan, Lotta, Moritz, Jun, Paul B., Kaskado, Gasal, Benny K., Scyla, Nana, Jack Daniels, April, Zeus, Lilly, Bossi, Felix, Aika, Nicky, Ra, Samson, Buma, Scotti, Toni, Luna Z., Diva, Gina, Jula, Deli, Konrad S., Gismo, Figaro, Filou, Murphy S., Laika, Larko, Ory, Aaron, Balu, Crazy Calea, Indra, Apollo, Fipps, Elli, Cobain, Pola, Moon, Jaylinn, Kusja, Leni, Lina, Lisa, Merle, Kiba, Nina, Pluto, Timmy, Serafina, Speedy, Sky, Joy, Linus, Lisa, Lumpi, Merle, Mimi, Serafina, Zhina, Marli Marlo, Maya, Colleen, Maddox, Lady, Manos, Letty, Lea, Coco, Fiby, Mali, Maja, Higgins, Pauline, Mylo, Chica, Jimmy, Murphy V., Nino, Spiky, Taron, Paco, Quinta, Pepe, Lennox, Lyla, Caña, Amy, Jerry, Lorano, Beno, Beppo, Albert B., Bibi, Max, Konrad S., Dani, Faye, Nougat, Ella, Sam, Scott, Reuwen, Finesse, Arya, Cassy, Herr Contra, Ben, Bella, Lilly F., Enaño, Joshi, Keks, Lina, Flo, Maya V., Duncan, Merlin, Holly, Figo, Tommy, Cooper, Moni, Carly, Quatro, Bozont, Kaya, Fly, Artus G., Ruby, Zaros, Luna B., Ayla, Krissi, Fee, Tequila, Dori, J.Low, Josie A., Jacky B., Albert J., Luna P., Daddy P., Platon, Bubi, Bjarne, Benny Ke., Dobby, Mira, Apollo, Charly G., Erle, Bandit, Frida, Eddy, Minnie, Kima, Henry R., Oscar K., Levi, Kayleigh, Amy F., Paul H., Lotti, Rafael..

Ich hoffe, dass ich niemanden vergessen habe.

Vielen Dank auch an meine vielen Kolleginnen und Kollegen, die bei mir Seminare besucht haben!

Besonders auch Danke an die vielen Tierbesitzer, die bei mir die Tierkommunikation erlernt haben und an jene, mit deren Tieren ich sprechen konnte.

Jetzt geht es auf in die nächsten Jahre!

Eure Sabine Braun

Tierphysio in Balance am 02.11.2023 

 

Telefonische Erreichbarkeit seit 21.08.23

Liebe Tierbesitzer,

zur Zeit liegt eine Störung bei meiner SIM – Karte vor und ich bin telefonisch nicht erreichbar. 2-4 Werktage soll es dauern, bis eine neue Karte da ist.

Bis dahin erreichen Sie mich per Mail.

Vielen Dank für Ihr Verständnis

Ihre Sabine Braun

KONTAKT

Sabine Braun
info(ät)tierphysio-in-balance.de
Tel.  0176 969 994 68

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November 2025
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März 2026
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September 2025
Die neuen Seminartermine für 2026 sind online. Es fehlen noch zwei Ausschreibungen, aber ihr dürft euch über viele Fortbildungen - auch für Tierbesitzer, freuen. Über den Link gelangt ihr zur Übersicht.

 

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